eBay ist für die meisten deutschen Gebrauchtwarenhändler der wichtigste Absatzkanal — und gleichzeitig der Ort, an dem bei der Differenzbesteuerung nach §25a UStG die meisten Fehler passieren. Nicht weil die Regel kompliziert wäre, sondern weil die Plattform Standardeinstellungen mitbringt, die für Neuwarenhändler gemacht sind.
1. Warum eBay und §25a zusammengehören
Die Differenzbesteuerung ist für genau diesen Fall gebaut: Du kaufst von einer Privatperson, die keine Umsatzsteuer ausweisen kann, und verkaufst weiter. Ohne §25a UStG müsstest du auf den vollen Verkaufspreis Umsatzsteuer abführen — obwohl im Einkaufspreis schon einmal Umsatzsteuer steckte, die niemand zurückholen konnte.
- Einkauf von privat: 100 € · Verkauf auf eBay: 200 €
- Differenzbesteuerung: 19 % aus 100 € Marge = 15,97 € Umsatzsteuer
- Regelbesteuerung: 19 % aus 200 € = 31,93 € Umsatzsteuer
- Ersparnis bei einem einzigen Verkauf: 15,96 €
Eigene Zahlen einsetzen? Zum Differenzbesteuerungs-Rechner →
2. Das Angebot richtig einstellen
Bei gewerblichen Konten kannst du in eBay Umsatzsteuersätze hinterlegen, die dann im Angebot und auf automatisch erzeugten Rechnungen erscheinen. Für differenzbesteuerte Ware ist das genau das, was du nicht willst.
Stattdessen gehört in deine Angebote:
- Ein Bruttopreis ohne Steuerangabe.
- Ein Hinweis in der Beschreibung, z. B. „Differenzbesteuert nach §25a UStG — kein gesonderter Ausweis der Umsatzsteuer, kein Vorsteuerabzug möglich." Das erspart dir Rückfragen von Geschäftskunden.
- Der korrekte Artikelzustand — der ist bei eBay seit der Gebührenumstellung im Juli 2026 auch bares Geld wert, weil gebrauchte und refurbished Artikel eine deutlich niedrigere Verkaufsprovision haben.
3. Rechnungen an deine Käufer
Prüfe jede Rechnungsvorlage, die auf eBay-Verkäufe angewendet wird — egal ob von eBay erzeugt, aus einem Rechnungstool oder von Hand. Auf eine §25a-Rechnung gehören alle üblichen Pflichtangaben plus der Hinweis nach §14a Abs. 6 UStG, in der Regel „Gebrauchtgegenstände/Sonderregelung" — und eben kein Steuerausweis.
Vorlage mit allen Pflichtangaben: Zum §25a-Rechnungsgenerator →
Die vollständige Liste der Pflichtangaben und die häufigsten Formfehler stehen im Ratgeber Rechnung bei Differenzbesteuerung.
4. Gebühren: Gewinn ja, Steuer nein
Der zweithäufigste Fehler nach dem Steuerausweis: eBay-Gebühren von der Bemessungsgrundlage abzuziehen. Das ist nicht zulässig.
Gebühren und Auszahlung berechnen: Zum eBay-Gebührenrechner →
5. Versandkosten zählen zum Verkaufspreis
Was dir der Käufer für den Versand bezahlt, ist Teil des Entgelts — und damit Teil des Verkaufspreises für die Differenzberechnung. Verkaufst du einen Artikel für 200 € plus 5 € Versand, beträgt dein Verkaufspreis 205 €. Bei einem Einkaufspreis von 100 € ist die Differenz also 105 €, nicht 100 €.
Dieselbe Logik nutzt übrigens eBay: Die Verkaufsprovision wird ebenfalls auf den Gesamtbetrag inklusive Versand berechnet. Wer den Versand „nur durchreicht", zahlt darauf trotzdem Provision und Differenzsteuer.
6. Den Einkaufspreis nachweisen
§25a UStG steht und fällt mit dem Nachweis, was du für den Artikel bezahlt hast. Die Beweislast liegt bei dir. Je nach Einkaufsweg brauchst du:
- Einkauf bei privat vor Ort: Ankaufsbeleg mit Datum, Verkäuferdaten, Artikelbeschreibung, Zustand und Preis — idealerweise unterschrieben.
- Einkauf über eine Plattform: Kaufbestätigung, Zahlungsbeleg und die archivierte Artikelseite mit Verkäuferangaben.
- Konvolut oder Haushaltsauflösung: Beleg über den Gesamtpreis plus eine nachvollziehbare Aufteilung — oder die Gesamtdifferenz für Artikel bis 750 € Einkaufspreis.
→ Ankaufsbeleg-Generator (kostenlos)
7. Mischbestand sauber trennen
Viele eBay-Händler verkaufen beides: Gebrauchtware aus Privatankauf und Neuware oder Ware vom Großhändler mit ausgewiesener Umsatzsteuer. Beide Gruppen laufen in unterschiedliche Besteuerungen:
- Ohne abziehbare Vorsteuer eingekauft → Differenzbesteuerung möglich.
- Mit ausgewiesener Umsatzsteuer eingekauft und Vorsteuer gezogen → Regelbesteuerung zwingend.
Beides in einer Rechnung zu mischen, geht nicht. Und wer die Trennung erst am Jahresende versucht, rekonstruiert Wochenarbeit. Markiere den Besteuerungsstatus deshalb direkt bei der Einbuchung des Artikels — nicht beim Verkauf.
8. Der Alltag: viele Verkäufe, wenig Zeit
Rechnerisch ist ein einzelner Verkauf trivial. Das Problem entsteht durch die Menge: 50 Verkäufe im Monat bedeuten 50-mal Einkaufspreis zuordnen, 50-mal Differenz rechnen, 50-mal den Beleg wiederfinden. In Excel funktioniert das genau so lange, bis der erste Artikel doppelt gelistet ist oder ein Ankaufsbeleg fehlt.
Eine Warenwirtschaft, die für Gebrauchtwaren gebaut ist, dreht die Logik um: Der Einkaufspreis hängt am Artikel, nicht an einer Tabellenzeile. Kommt der Verkauf, steht die Differenz automatisch da — und mit ihr die Summen, die dein Steuerberater für die Umsatzsteuer-Voranmeldung braucht.
eBay-Verkäufe automatisch importieren
Storest ist die Warenwirtschaft für Gebrauchtwarenhändler: Die eBay-Schnittstelle holt deine Verkäufe herein und gleicht den Bestand ab, jeder Artikel führt seinen Einkaufspreis mit, und die Differenzbesteuerung wird pro Stück automatisch berechnet. Eine Buchhaltung ersetzt Storest bewusst nicht — es liefert die saubere Basis dafür.
Kostenlos starten9. Häufige Fragen (FAQ)
Muss ich in der Artikelbeschreibung auf §25a hinweisen?
Verpflichtend ist der Hinweis auf der Rechnung. In der Artikelbeschreibung ist er trotzdem sinnvoll: Gewerbliche Käufer erwarten sonst eine Rechnung mit Vorsteuerabzug und beschweren sich hinterher.
Kann ich für einen einzelnen Verkauf auf die Differenzbesteuerung verzichten?
Ja. Die Differenzbesteuerung ist ein Wahlrecht, das du pro Verkauf ausüben kannst. Für einen Geschäftskunden, der unbedingt Vorsteuer ziehen will, kannst du regelbesteuert verkaufen — dann allerdings mit Umsatzsteuer auf den vollen Preis, was du einpreisen solltest.
Was ist mit Verkäufen ins EU-Ausland?
Bei differenzbesteuerten Lieferungen gibt es keine steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung — du verkaufst mit deutscher Differenzbesteuerung ohne Steuerausweis. Grenzüberschreitende Fälle sind fehleranfällig; kläre sie vorab mit deinem Steuerberater.
Was hat DAC7 mit alldem zu tun?
Nichts direkt — aber viel indirekt. eBay meldet deine Verkaufsdaten ans Bundeszentralamt für Steuern, sobald du 30 Verkäufe oder 2.000 € Umsatz im Jahr erreichst. Das Finanzamt kennt deine Zahlen also ohnehin. Details im DAC7-Ratgeber.
Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und ersetzt keine individuelle Steuerberatung. Plattform-Einstellungen und Gebührenmodelle ändern sich — prüfe die für dich geltenden Angaben in deinem eBay-Verkäuferkonto.